Dienstag, 13. März 2018

Waldvierteler Erdäpfelknödel - aka Kartoffelklöße

Hurra, ich habe ein saugeiles Rezeptbuch mit Rezepten aus der Donaumonarchie bekommen. Es heiß K+K Kulinarium - ein Fest in Mitteleuropa und es ist 1991 im Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei erschienen Da sind jede Menge tschechische, österreichische und auch Rezepte vom Balkan drin und ich finde die richtig gut. Bei österreichischen Rezepten hat man als Piefke (Deutscher) den Nachteil, dass das Rezept 100 % falsch umgesetzt ist, sobald es ein Österreicher liest. Ich lache dann schon immer innerlich bei der Zubereitung und frage mich bei jedem Handgriff, was ich jetzt wieder falsch gemacht habe. Da aber zumindest das Buch aus Österreich kommt, gibt es kein Backpulver im Kaiserschmarrn und keine Nürnberger Rostbratwürste im Fiaker Gulasch. Trotzdem viel Spaß beim Sudern, lieber österreichische LeserInnenschaft...


Zutaten 4 Personen

1 Kilo Kartoffeln
300 Gramm Kartoffelstärke, oder Kartoffelmehl
1 Esslöffel Salz für die Kartoffelmasse
Salz für das Kochwasser

Ich habe diese Walviertler Erdäpfelknödel ausgewählt, weil sie so einfach sind, so wenig Zutaten brauchen und auch ein einfaches Totschlagsargument sind, gegen Leute die immer so mega beschäftigt tun, dass sie keine Zeit haben, Ihre Kartoffelklöße selbst zu machen und einem auf Fotos, oder in Rezepten, immer dieses komische Zeug mit dem Abdruck vom Kochbeutel präsentieren. Ich habe auch extra nachgelesen, um zu schauen, ob es irgendeine Einschränkung gibt, warum man irgendwas Knödel, oder Klöße nennen darf. Es scheint aber sowas wie ein Nord- Südgefälle zu geben, dass man südlich des Mains Knödel sagt und nördlich davon gibt es Klöße. Ich als Hardcorepiefke sage deswegen auch Klöße dazu.


Ein Kilo Kartoffeln in 20 - 25 Minuten als Pellkartoffeln zubereiten. Ich gebe die Kartoffeln in das kalte Wasser und rechne die Kochzeit ab dem Zeitpunkt, wenn das Wasser kocht. 


Wenn sich die Schale wellt und leicht abzuziehen geht, die Kartoffeln abgießen und kurz in einem Sieb ausdampfen lassen. 


Wenn die Temperatur der Kartoffeln so weit runter ist, dass man sich nicht mehr die Finger verbrennt, wird die Schale abgezogen. 


Die Kartoffeln werden danach durch die Kartoffelpresse gedrückt. 


Die durchgedrückten Kartoffeln in einer Schüssel lagern. 


300 Gramm Kartoffelmehl, oder Kartoffelstärke abwiegen. 


Habt Ihr schon mal Kartoffelmehl an den Händen gehabt? Davon bekomme ich schon in der Tüte Gänsehaut, weil das Zeug so quietscht, als wenn man Styropor in den Händen hätte. Ich weiß aber, dass das Kartoffelmehl, oder Stärke allerbeste Dienste leisten und deswegen stehe ich total darauf, als zuverlässigen Rohstoff


Einen Esslöffel Salz, Kartoffelmehl, oder Stärke zu den Kartoffeln geben und den Kartoffelteig mit den Händen kneten, bis sich alles gut verteilt hat. Man spricht dann wohl von einer homogenen Masse. Probuiert mal den Teig, ob er Euch salzig genug ist. Dann könnt Ihr den Teig noch nachsalzen, oder Ihr gleicht es beim Kochwasser wieder mit Salz aus.


Die Kartoffelklöße sollen vier Zentimeter Durchmesser haben. Das ist noch mein Probeknödel, danach waren meine Hände leider zu dreckig, um dabei immer noch Fotos zu machen. Man tut sich aber einen Gefallen, wenn man sich eine Schüssel mit Wasser hinstellt und die Hände beim Ausformen der Kartoffelklöße anfeuchtet. 


Dann wird die Oberfläche der Klöße noch glatter. Ich bin auch erst hinterher drauf gekommen. Das geht aber so oder so, gut von der Hand und ist auch für ungeübte Kartoffelkloßnovizen kein Problem. Ich habe noch nie mit einem Kartoffelteig gearbeitet, der so einfach zu handhaben ist, wie dieser.


Wasser in einem Topf erhitzen. Das Wasser muss einmal kurz kochen, aber dann regelt man es so runter, dass es maximal noch simmert. wenn man die Kartoffelklöße ins Wasser gibt. Die sollen im Wasser gar ziehen, nicht kochen. 


Die Kartoffelklöße ins heiße, nicht mehr kochende gesalzene Wasser geben. Ich würde je nach Wassermenge 1 bis zwei Esslöffel Salz nehmen, je nachdem wie Ihr es mit dem Salzgehalt haltet und was Euch die Teigprobe nach dem Kneten gesagt hat. Wenn Euch da noch Salz fehlt, muss  man das Wasser salziger machen, ist der Teig schon im Grenzbereich, dann weniger salzen und das Wasser zieht dann das Salz wieder aus dem Teig. Alles Kochphysik. 


Dort verbleiben sie 15 bis 20 Minuten, bis sie von alleine, an die Wasseroberfläche steigen und dort so lange vor sich hingaren, bis die Zeit rum ist. Die genaue Zeit hängt davon ab, ob Ihr genau 4 Zentimeter Durchmesser getroffen habt, oder oder nur 3, oder 5 und wie heiß das Wasser ist.  


Danach weiß auch der letzte, dass Kloßbrühe nicht klar ist



Sehr geil. Da fühlt man sich spontan so, als wenn man das Rad erfunden hätte und das ist wieder mal ein Beleg dafür, dass kochen schon immer so ging wie kochen. Das Prinzip hat sich das seit Erfindung der Speisestärke nie wieder geändert und die war schon in der Antike bekannt, im Gegensatz zu Kartoffeln, die erst nach der Entdeckung Südamerikas nach Europa gekommen sind, irgendwann nach 1560. 


Und da will mir jemand erklären, er konnte seine Kartoffelklöße nicht selbst machen, weil er so nen anstrengenden Tag hatte? Nicht aus drei Zutaten und in einer Stunde, wenn es normal läuft? Geht nach hause, oder tauscht mal mit ner Hausfrau in siebzehnhundertbrotsrinden, die auch noch die Wäsche im Fluss waschen musste!


Die Kartoffelklöße sollte man gleich servieren. Ein Braten ist dazu immer gut, aber so wie die Zubereitung ist, können das sogar Veganer essen, weil nicht mal ein Ei am Kartoffelteig ist. Bei mir ist es ja noch schwieriger als bei den meisten Leuten, weil ich immer bis 19 Uhr arbeite und eigentlich erst richtig zum Kochen komme, wenn die Kinder im Bett sind. Diese Kartoffelklöße habe ich erst nach Mitternacht fertig gehabt, um die am nächsten Tag mit meiner Frau essen zu können. Dafür muss man sie nur wieder in heißes, nicht kochendes Wasser legen und wieder die 20 Minuten durchwärmen lassen. Am besten sind sie natürlich sofort frisch aus dem Topf. 


Weil meine Kinderbande so kitzelig mit Essen ist, hat meine Frau die Klöße schon für die Brut in der Pfanne mit Butter angebraten. Da war dann irgendwie klar, dass die das schon essen werden. Was es mit dem Fleisch auf sich hat, zeige ich Euch auch noch. 


Ich kenne meine Frau jetzt zehn Jahre und eines Ihrer ersten Geständnisse beim Essen war, dass sie keine Kartoffelklöße mag. Das hat sie mir über die Jahre auch immer wieder bestätigt, wenn wir in Thüringen waren, wo man ja auch nicht gewesen ist, wenn es keine Klöße gab.


Dieses Mal habe ich die Waldvierteler Erdapfelknödel aber mit "Schweinernem" serviert, einem Rezept, das ich auch aus dem KUK Kochbuch habe. Darauf könnt Ihr Euch schon freuen. Meine Frau hat jedenfalls mitten im Essen gesagt, "Du weißt, ich mag eigentlich keine Kartoffelklöße, aber die hier sind wirklich ganz groß". 


Die Kartoffelklöße gibt es hier jedenfalls schon mal als Anzahlung und ich wünsche viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit. 

Kommentare:

  1. Die rohen Waldviertler Knödel sollten noch in Stärkemehl gewälzt werden, bevor sie ins Wasser kommen.

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    1. auch schön. darüber sagt das kochbuch leider nichts, aber höchstwahrscheinlich wird die oberfläche dann glatter. danke für den tipp

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  2. Eine Stunde ist definitiv manchmal zu viel, wenn man die Stunde halt grad an der Nähmaschine braucht und keinen Mann daheim hat der das mitten in der Nacht noch locker aus der Hüfte schiesst.
    Daher natürlich auch hier manchmal Halb&Halb Klöße aus der Packung. Isso. Aber mit genügend Zeit und Muße (und zu einem stundenlang gegarten Gulasch *mjam*) gibts einfach nix besseres als selbstgemachte Knödel nach etwa diesem Rezept.
    Ich krieg Hunger!

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    1. bevor ich knödel aus der packung mache, gibt es salzkartoffeln. ich mache immer nichts anderes, als das wofür ich bereit bin, die zeit zu investieren, die es dauert

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