Sonntag, 11. Juni 2017

Biersenf - Auf einem Bein kann man nicht stehen.

Richtiger derber Senf für die warme Jahreszeit, perfekt zum Grillen. Deswegen habe ich gleich ein bisschen mehr davon gemacht, denn der wird nicht alt und jeder der ihn bei Euch probiert, will auch ein Glas haben. 



Zutaten:

0,3 Liter Bier, egal welches
100 Milliliter Weißweinessig
100 Milliliter Pflanzenöl
10 Esslöffel Senfmehl
1 Teelöffel Salz
1 Esslöffel Zucker
Pfeffer aus der Mühle
1-2 Esslöffel Majoran


Senf ist neben Ketchup und schrecklichen Plastikgrillsoßen aus der Flasche, die bevorzugte Beigabe zu Grillgut aller Art. Würste, Grillsteaks werden gerne darin ertränkt und darunter versteckt. Selbst gemachter Senf ist so ein Überraschungsmoment, bei dem man den Unterschied zum Kaufprodukt ganz deutlich erkennen kann, denn davon braucht man viel weniger, als von der Industrieplörre, weil mehr drin ist was schmeckt und nichts, was nur zum Binden und Volumen schaffen da ist. 



Wie ich auf den Senf gekommen bin? Es gab im Russensupermarkt irgendein abstruses Russenbier im Angebot für 59 Cent pro Flasche und die sah so ausgefallen aus, dass ich wissen wollte, wie das Bier wohl schmeckt. Dann war ich gerade noch dabei "pulled veal Burger" zu machen (Rezept kommt) und brauchte dafür noch eine Soße, in diesem Fall Senf. Biersenf und Sommer geht hervorragend zusammen und ich wollte selbst gar nicht viel Bier trinken, sondern nur mal probieren, also war dann schon klar, wo ich mit dem Rest der Flasche bleibe.


300 Milliliter Bier, 100 Millilter Öl und 100 Milliliter Weißweinessig. Ich bin hier mal den umgekehrten Weg gegangen, um zu zeigen wie einfach es ist. Sonst habe ich bei meinem Senf immer zuerst das Senfmehl genommen und dann mit Flüssigkeit aufgefüllt und danach alles vermischt. Jetzt mache ich das mal von flüssig zu fest und lasse mich selbst überraschen, welche Menge Senfmehl man braucht, bis man die Menge Flüssigkeit abbindet, plus der Faktor, dass Senfmehl ein echtes Arschloch ist, das brutal aufgeht, wenn es mit Flüssigkeit in Berührung kommt, allerdings etwas zeitversetzt. Das ist jetzt gerade noch so dickflüssig, dass man denkt, ui ui, das wird nie fest und eine Stunde später bewegt sich die Flüssigkeit gar nicht mehr und ist schnittfest.


1 Teelöffel Salz



1 Esslöffel Zucker, Pfeffer aus der Mühle, ungefähr ein Teelöffel


Dann fangen wir an Senfmehl in die Flüssigkeit zu geben und tasten uns an die richtige Menge ran.


Nach 5 Esslöffeln wird mit einem Mixstab oder Pürierstab, oder in diesem Fall mit meinem Esge Zauberstab gemischt.


Wenn man erst die Flüssigkeit hinein gibt, dann ist das Vermischen des Senfmehls deutlich einfacher, weil sich unten am Boden keine trockenes Senfmehl absetzten kann, dass häufig nur schwer zu lösen ist.


Das ist mir noch zu dünn und ich gebe noch mehr Senfmehl in die Masse und rühre das mit dem Pürierstab regelmäßig um, damit ich sehe, wie dick die Masse wird. Ich bin dann bei 10 Esslöffeln Senfmehl gelandet.


Das war immer noch dünner als Senf je bei mir war, wenn ich welchen angerührt habe, aber schon die Konsistenz, wie man sie von gekauftem Senf kennt. Da braucht man jetzt ein bisschen Mut und das Wissen, dass das Senfmehl immer noch aufgeht und fester wird. Wenn der Senf so flüssig ist, wie eine dicke Kartoffelsuppe reicht es schon, damit er hinterher im Glas, durch das Aufgehen des Senfmehls, fest wird. 


Da viele Bratwürste Majoran enthalten, schadet es auf keinen Fall, wenn man als kleine Kräuterbeigabe noch einen bis zwei Esslöffel Majoran in den Senf gibt. Wer den frisch hat, ist natürlich der König. Im Senf wird das auch nicht schlecht, wenn man ihn im Kühlschrank aufbewahrt. Wer mag probiert einfach mal den Senf und kann noch Salz, Pfeffer und Zucker beigeben, wenn das in die persönliche Geschmacksmatrix passt.


Den Senf fülle ich in ehemalige Marmeladengläser usw ab. 


Dieses Mal ist der Senf noch so flüssig, dass er aus dem Mixbecher ins Glas läuft.


Eine Stunde später bewegt der sich nicht mal mehr, wenn man das Glas auf den Kopf stellt. 


Ich habe den Senf für die Aufbewahrung im Kühlschrank hergestellt. Man kann den natürlich auch einkochen und vakuumieren. Das habe ich bei den kleinen Mengen, die ich herstelle aber noch nie gemacht. So viel Platz habe ich immer in meinem vollen Kühlschrank und wenn man den Senf für einen Grillabend herstellt, ist er hinterher sowieso alle, oder von Gästen mit nach Hause genommen worden. Der Senf schmeckt echt total Porno und adelt jedes Gericht, mit dem er in Verbindung kommt.


Hier ist noch mal die Flasche von dem Russenbier zu sehen, aber Ihr könnt natürlich auch jedes gute einheimische Bier verwenden, was höchstwahrscheinlich der Qualität dienlich ist, weil ich bei Russens auch nicht so genau weiß, ob er Bierbrauer war und sie auch kein Reinheitsgebot kannte....


Senf soll man normal drei Tage im Kühlschrank reifen lassen, dann verliert er noch ein wenig Schärfe. Wenn Euch der Senf insgesamt zu scharf erscheint, könnt Ihr noch mehr Öl dazu geben, das dämpft die Schärfe, Wasser hingegen löst die Schärfe aus dem Senfmehl und macht den Senf schärfer. Das "Problem" schafft man aber ganz einfach aus der Welt, wenn man sich einfach einprägt, dass man davon weniger braucht, als bei einem gekauften Senf, denn da ist anteilig viel mehr Zeug drin, das originär nichts mit Senf zu tun hat und nur dazu dient, Euch ein volles Glas unterzujubeln, das den der es herstellt möglichst wenig kostet, also immer zu lasten der Rohstoffe und mit viel Wasser, Öl und wenig Senfmehl. Hier könnt Ihr mal sehen, wie Senf wirklich schmeckt und wie gut das ist. Danach will man nie wieder gekauften.


Ich wünsche viel Spaß beim Nachrühren und einen guten Appetit. 

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