Samstag, 11. März 2017

Rinderhack mit Spitzkohl - Wecke den Russen in Dir!

Das ist ein typisches Essen für die Woche. Man kann das auch schon am Vorabend vorbereiten und am nächsten Tag servierfertig machen. Es lohnt sich auch auf Vorrat zu kochen, wenn man nicht jeden Abend etwas anderes erwartet. Alles Standortvorteile für ein Gericht, wenn es lecker ist und nicht viel Arbeit macht. 



Zutaten:

500 Gramm Rinderhack
2 Zwiebeln
1 Spitzkohl
3 große Kartoffeln oder 6 kleine
300 Milliliter Bier / oder Brühe
Grünkraut wie Schnittlauch oder Petersilie
Salz
Pfeffer
2 Lorbeerblätter
2 Wacholderbeeren
3 Esslöffel dunkle Grundsoße (anklicken)
Saure Sahne oder Schmand mit 30 % 

Ich lasse Euch mal eben teilhaben, wie bei mir ein Gericht entsteht. Das Hackfleisch habe ich am Wochenende gekauft. Ich hatte damit nichts Besonderes vor, aber bei sechs Personen im Haushalt, muss man immer eine Notfallreserve haben, für ich will Bolognese, ich will Chili, ich will Frikadellen, oder was irgendwem einfällt. Das Fleisch war dann kurz vor dem Verfallsdatum und ich musste mir damit irgendwas einfallen lassen, also habe ich das erstmal angebraten, ohne zu wissen, was es am Ende mal werden soll. 


Zum Anbraten rechne ich 20 Minuten, damit es nicht nur so grisseliges Zeug ist, sondern wirklich Röstaromen bildet. Herd richtig unter Dampf halten.


Jetzt sind wir schon einen Tag später, wenn der kleine Hunger kommt. Irgendwas mit Weißkohl, oder Spitzkohl habe ich auch immer da, für Krautsalat, oder eben als gesunde Beilage zum Dünsten, oder braten. Wettermäßig war es nass und kalt und windig, also noch eine gute Gelegenheit für ein eher winterliches Gericht. Also gibt es den Spitzkohl derbe rustikal, zusammen mit dem Hack in der Pfanne und nicht als Salat in einem Wrap, was mir zu Frühlingswetter eingefallen wäre. Ein Blick in meine Vorräte gab mir auch eine Idee was es werden sollte, aber lasst Euch überraschen.


Spitzkohl in mundgerechte Stück zerkleinern.


Den lassen wir erstmal liegen, bis die anderen Zutaten am Start sind. 


3 Große Kartoffeln schälen


2 Zwiebeln häuten und zerkleinern. 


Hackfleisch mit Zwiebeln weiter braten. Natürlich kann man den Anbratprozess auch erst jetzt starten, wenn man am Abend vorher noch nicht in Not ist, weil einem sonst die Lebensmittel ablaufen, aber das spart einem so schon mal 20 Minuten, wenn es jetzt fertig angebraten ist. 


Kartoffeln schälen und in dünne Scheiben schneiden


Wenn die Zwiebeln schon glasig werden, kommt der Spitzkohl in die Pfanne. 


Der klassische Moment in dem man sich dann überlegt, wieso man nicht gleich den Wok benutzt, schließlich hat man ja einen.


Vorsichtig alle Zutaten miteinander vermischen und bei mittlerer Hitze garen.


Wie sich das für ein klassisches Schmorgericht gehört, kommen zwei Lorbeerblätter und zwei Wacholderbeeren in die Pfanne. 


Salz und Pfeffer, damit einem hinterher nicht die Füsse einschlafen.


Die Kartoffelscheiben in die Pfanne geben.


Zutaten vermischen


Ich war ja beim Mix Markt einkaufen und habe da jede Menge krauses Zeug gekauft, das ich normal nicht kaufen würde, aber da hat dann die Neugierde gesiegt, weil ich mal wissen wollte, mit was die ganzen Russen, die hier so rumlaufen, sich immer abschießen. Wie in Rumänien gibt es im Russenmarkt ganz fiese 2 Liter Plastikflaschen mit Russenbier. Hier eine Version Starkbier mit 9,5 %


Da sieht man schon an der Flasche, dass er Bierbrauer war und sie auch kein Reinheitsgebot kannte. So ein ganz malziges Bier mit 9,5 %, das ich ein paar Tage vorher meiner Frau im Glas neben die Nähmaschine gestellt habe und die konnte danach kaum noch eine gerade Naht nähen, weil das Bier so reinhaut. Natürlich habe ich ihr vorher nicht die Plastikflasche gezeigt, sonst hätte sie das gar nicht erst angerührt. 



Der Rest war dann irgendwie schon schal, aber ich kann ja immer nichts wegkippen und da dachte ich mir, es fehlt noch Flüssigkeit zum Schmoren in der Pfanne, also wieso nicht das Russenbier einer sinnvollen Verwendung zuführen? Ihr könnt natürlich auch ein total seriöses deutsches Bier nehmen, oder von mir aus auch Brühe, wenn Ihr schwanger seid, stillt, oder einfach nur so Mädchen seid. 


Hier kommt wieder meine dunkle Soßenbasis aus dem Kühlschrank zum Tragen


3 Esslöffel sollten es für den Anfang sein, dann bindet die Soße beim Schmoren schon 
ab. 


Pfanne mit einem Glasdeckel abdecken, auf die kleinste Herdplatte umziehen und nur so heiß einstellen, dass der Inhalt leicht simmert. Die Eieruhr auf 30 Minuten einstellen. 


Nach dreißig Minuten ist der Spitzkohl total zusammengekocht, das Fleisch war vorher schon gar und die Kartoffeln haben noch ein bisschen Biss. Wenn Ihr die weicher haben wollt, dann gebt der Pfanne noch 10 Minuten extra auf dem Herd. Wenn noch Flüssigkeit fehlt, Bier, Brühe, oder Wasser nachkippen. 


Wenn die Kartoffeln einen Euch genehmen Gargrad haben, kann es auf den Teller gehen. Schmeckt den Pfanneninhalt noch mal ab. Ich musste nichts machen, aber ich weiß ja nicht, wie Ihr salzt und pfeffert. 


Das ist auch eine Errungenschaft vom Russenmarkt. Ich kann keine kyrillische Schrift lesen und hätte es für saure Sahne mit 30 % gehalten, aber ich habe läuten hören, dass es sich wohl um Schmand handeln soll. Das Zeug ist mal saugeil. Richtig cremig und sehr angenehm im Geschmack.


Noch ein bisschen Petersilie auf dem Pfanneninhalt verstreuen


Die Soße ist gut eingekocht und gebunden. Alles glänzt schön, ist nicht in Soße ertränkt und duftet gut nach einem kräftigen Alltagsessen.


Jetzt noch einen Schlag vom Schmand dazu auf den Teller geben. 


Ich war echt gespannt, was meine Frau zu dem Essen sagt, weil die immer ein bisschen mürrisch ist, wenn Dinge so auf die Fresse rustikal sind, aber beim ersten Bissen konnte man schon so ein Wohlfühlgeräusch hören.


Mit dem Schmand zusammen ist das echt sensationell lecker und das ist so derbe und schwer, wie man sich russische Küche bei minus 40 Grad vorstellt. Sehr lecker und sehr zu empfehlen. . 


Das kann ich Euch so lange es unter 10 Grad Außentemperatur hat, wärmstens ans Herz legen, um die Akkus neu zu füllen und um in der Woche ein einfaches Wohlfühlessen zu kochen. Außer den 20 Minuten Anbraten für das Fleisch habt Ihr nur ein bisschen Schnippelei für das Gemüse und die Kartoffeln und ansonsten die Schmorzeit, bis die Kartoffeln durch sind.  


In der Zeit habe ich am Rechner gesessen und Bilder bearbeitet und Ihr könnt den Tisch decken, Fernsehen, oder, oder. Keine große Mühe und dafür maximaler Ertrag mit ein bisschen Russenfolklore.


Ich wünsche viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit. 


Kommentare:

  1. Bei uns gibt es das so ähnlich: Allerdings mit Lauch in Ringen statt Kohl und nachdem Hack und Lauch angebraten sind, kommt erst Tomatenmark (auch kurz angeröstet) und Senf dazu. Gewürzt wird neben Salz und Pfeffer mit Paprika scharf und edelsüß, Kreuzkümmel und Kümmel. Dann mit Bier und Brühe auffüllen und einreduzieren lassen.
    Das Ganze gibts bei uns zu Kartoffeln oder Nudeln oder am besten beidem! Und der Schmand kommt als Krönung oben als Klecks drauf, gibt ein tolles Mundgefühl, heiße Kartoffeln, mit dem heißen, leicht scharfen Hackfleischtopf und dann der kühle frische Schmand - herrlich!

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    1. hallo gerald, kartoffeln und nudeln in einem gericht ist mir irgendwie zu kraus und ich habe gerne entweder oder. mein verhältnis zu schwarzkümmel ist legendär schlecht. schmeckt wie eingeschlafene füsse. vielleicht brauche ich dafür noch 100 anläufe, bis mich mich daran gewöhnt habe.

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  2. Werde aber deine Variante mit dem Spitzkohl unbedingt ausprobieren, klingt sehr stimmig!

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  3. Und als Ofengericht kann ich dir nur den Berliner Kutschertopf empfehlen, geht auch in diese Richtung und kann super vorbereitet werden:
    http://www.chefkoch.de/rezepte/226931093269487/Berliner-Kutschertopf.html
    Eines meiner absoluten Lieblingsgerichte, nicht gerade für Diäternährung aber halt einfach geil!

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