Donnerstag, 2. Februar 2017

Götterspeise mit frischer Zitrone

Da habe ich mich wieder ganz schön weit rausgewagt bei meinen Kindern. Wir waren Samstag bei Metro einkaufen und dann riefen sie alle ganz laut durcheinander, "wir wollen Götterspeise essen", als wir gerade durch die Reihe mit den Fixtüten für Süßspeisen gelaufen sind. Ich habe dann gefragt, ob sie überhaupt wissen, was da in den Tüten drin ist? Meine älteste Tochter hat uns den Giftzettel vorgelesen und danach hatte ich dann eine Lieferschuld und musste meinen Kindern versprechen, sofort eine frische Götterspeise, ohne künstliche Aromen und andere Doofmacher zu zaubern.


Zutaten:

5 Zitronen oder 300 Milliliter Zitronensaft
Zucker nach Geschmack, aber so 6 bis 8 Esslöffel
Gelatine / Agartine für 1 Liter Flüssigkeit nach Packungsbeilage (bei pflanzlich nehmt 50 % mehr)
700 Milliliter Wasser

Vanillesoße selbst gemacht (anklicken)

Auf dem Giftzettel der Götterspeise zum Anrühren standen neben Zucker, Farbstoff und Rindergelatine die üblichen unaussprechlichen Sachen, die nur dem helfen, der das Zeug verkauft und dem schaden, der das Zeug hinterher essen soll. 


Im Prinzip alles kein Hexenwerk. Man braucht eine Frucht die gut Saft gibt, dabei nicht großartig fasert und man muss sich von vorherein drüber klar sein, dass irgendwas wo das drin ist, was drauf steht, nicht so klar und durchsichtig sein kann, als wenn man das was drin sein sollte, mit künstlichem Geschmack, sowie Farbe erzeugt und Chemie für Haptik und Optik gemacht wird. Wenn das geklärt ist, kann man sich nur positiv überraschen lassen. Auf dem Foto oben seht Ihr meine Zitruspresse.


Hier seht Ihr meine neue Errungenschaft von der grünen Woche in Berlin. Da dreht man so ein durchsichtiges Plastikteil in die Zitrone (geht auch für Orangen und andere Zitrusfrüchte)


Dann massiert man die Zitrone von außen und drückt dabei an der Schale rum.


Dann sieht man den Saft schon aufsteigen. Wem das bekannt vorkommt, es ist nicht so wie es aussieht.


So bekommt man relativ einfach den kompletten Saft aus der Zitrone und es ist deutlich ergiebiger als mit der Zitruspresse, bei der am Rand immer noch ziemlich viel Saft bzw. Fruchtfleisch in der Schale hängen bleibt. 


Das macht man so lange, bis die Zitrone leer ist.


Für alle die es immer ganz genau wissen wollen, habe ich die Zitrone extra noch aufgeschnitten, zum Zeichen dass es darin jetzt ziemlich trocken zugeht.


Nach 5 Zitronen hatte ich meine 0,3 Liter Zitronensaft zusammen


Den Saft kippe ich durch ein Sieb damit keine Kerne mehr drin sind und auch kein Fruchtfleisch. Die Götterspeise soll so klar werden, wie nur irgendwie möglich.


Den Zitronensaft gebe ich in ein Litermaß 


Den Rest fülle ich mit Wasser bis zu einem Liter auf. Von 30 % Fruchtgehalt träumen diese ganzen Industrieplünnen doch nur. Die sind noch nicht einmal in der Nähe der Frucht vorbei gefahren, nach der sie schmecken. 


Zucker nach Geschmack, aber viel saurer als Zitrone geht halt nicht.


Den Inhalt des Litermaßes im Topf erhitzen


Mit 5 Esslöffeln Zucker starten.



Den Zucker auflösen, probieren ob Euch das zu sauer, oder süß genug ist und eventuell noch nachzuckern


Dann die Gelatine oder Agartine in die Warme Flüssigkeit geben und ordentlich mit dem Wasser vermischen. Ich habe extra wegen meiner VeggieleserInnen Agartine als Pulver genommen, damit es vegetarisch ist. Die muss man vorher nicht in Wasser auflösen. 


Danach mit dem Rührer verrühren, damit sich die Gelatine/Agartine gut verteilt. Bei Agartine würde ich für sowas immer 50 % mehr nehmen, als auf der Packung steht. Wenn da kein Schwein, oder Rind in der Gelatine ist, bindet es einfach nicht so gut ab. Irgendeinen Tod stirbt man halt immer, selbst wenn kein Tier dran glauben muss.


Die Flüssigkeit in einen verschließbaren Behälter umfüllen 


Deckel drauf und am besten über Nacht abkühlen lassen.


Meine Kinder quälten mich gleich am nächsten Morgen zum Frühstück mit der Idee, jetzt unbedingt die Götterspeise probieren zu wollen. Die steht wie eine Eins, das ist schon mal gut.


Die ist schön wackelig und elastisch, hat einen guten Stand


Meine kindliche Kulinarikerin (5), hat noch spontan Vanillesoße ausgerufen, die ich dann in 8 Minuten frisch gekocht habe. 


Die Zitronenscheiben sind nur Deko für das Titelbild. Die hätte niemand dazu essen können, also nicht nicht nachmachen. 


Nun zum Geschmack. Der ist aller Ehren wert. Schmeckt so richtig nach Zitrone, nicht nach Plaste und Elaste, wie das Industrieprodukt. Die Konsistenz ist so, wie man das von Götterspeise erwartet. 


So habe ich mir das vorgestellt, frische Zitronen, Wasser, Zucker und Gelatine, oder Agartine und wieder etwas gelernt. Ich freue mich wie Bolle.


Meine Kinder sind voll des Lobes und das schmeckt auch Erwachsenen, höchstwahrscheinlich sogar denen, die von sich behaupten, keine Götterspeise zu mögen (außer meine Frau).


Ich wünsche viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit.

Kommentare:

  1. Mönsch, jetzt hab ich gerade vorige Woche - ich glaub zum 1. Mal - Götterspeisenpäckchen gekauft, weil ich da mal Appetit drauf hatte. und jetzt les ich das hier... sooooo einfach. Geht das auch mit anderen Früchten?
    Sieht übrigens lecker aus die Götterzitrone.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. das geht auch mit anderen früchten. ich habe gerade noch eine mit orange gemacht. wichtig ist halt, dass man einen relativ reinen saft der frucht bekommt, der keine fasern enthält. da bieten sich zitrusfrüchte aller art an. mit himbeeren, johannisbeeren kann ich mir das auch vorstellen. du musst halt irgendwo mal die kerne und alle andere in einem sieb rausfisch. der phantasie sind wie immer keine grenzen gesetzt

      Löschen