Mittwoch, 16. März 2016

„Griene Fratzn“- [grüne Fratzen] Original aus dem Erzgebirge

Na nu abor, nu giehts lus hior.

Mooooment, falscher Dialekt, denkt ihr? Der gute Glatzkoch ist ja eigentlich ein Berliner. Nee, kee Pfannkuhng, sondern der wuhnt bluß dort.

Fakt ist, Jörg, also der Glatzkoch, den kennt ihr ja alle. Hat sich einen Gastbeitrag von mir gewünscht. Grischd dor freilich itze. Und da er sich in regelmäßigen Abständen über meine Wurzeln amüsiert, versuche ich diesen Beitrag uff säggs’sch (arzgebirgsch) zu schreim.


Ach klar, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt, ich bin ebenfalls Foodbloggerin. „Kochen für Doofe“ ist nicht ganz mein Motto sondern eher „Schnell, Einfach, Raffiniert ohne viel Zauberei“ und zwar hier auf >>Kochglück<<  kennste ni, nu abor wenn de dos hier glesn hast guggn giehn, abor zaggsch!

Eigentlich ist dieser ganze Vorspann den ich hier schreibe überhaupt nicht meine Art. Denn wer >>Kochglück<<kennt, oder sich dann später anschaut, wird feststellen, dass es bei mit zackig, knackig losgeht und ich euch munter mit Zutaten und Fakten bewerfe, natürlich auf hochdeutsch. Abor nu, hier habsch mich ä bill agebassd un red‘ wie mior de Gusch g’wachsn is.

Nu abor fang mor mol ah.

Was ihr brauchd‘ is ni viel, da mor hior bei „kochn fir dabbsche“ sei. Abor, wenn de schu‘ bill längor hior bist, dann weeste ja wie de dos olles noch bill mehr hibschn kahst, sunst kahste ah frahgn.

Nu, is dos Rezept abor su eehfach, dos ich ni mal ä n Haffn Bildor gemacht hab, sundern nur eens. Muss rehgn, mir missn sparn.




Erschd mol muss ich euch noch bill wos zu’n grien Fratzn erzähln. Das werde ich aber auf Hochdeutsch machen. Auch werde ich unklare Worte in Klammern in der kompletten Rezeptbeschreibung übersetzen. Also keine Panik, dos griegn mor schu‘ hie‘.

Zu beginn, „Grüne Fratzen“, die ihr auf dem Bild erkennen könnt, sind nichts anderes als mehr oder weniger klassische Reibekuchen. Die je nach Region einen anderen Namen tragen. Und Grün ist das da auf dem Bild auch nicht.

Dazu muss man wissen, dass „grün“ im sächsischen Sprachgebrauch auf für „roh“ stehen kann. Bis dahin ganz einfach. Etwas komplizierter wird es bei dem Begriff der „Fratzn“. Denn das umschreibt eine Kartoffelmasse ohne Ei und ohne Zusatz von Getreidemehl. Wenn ihr doch ein Ei dazugeben wollt, dann werden aus den „Fratzn“ ganz einfach „grüne Klitscher“.

Aber was wir jetzt hier zaubern ist vegan und glutenfrei, ich weiß, interessiert euch nicht, aber in der neumodischen Zeit… naja führt zu weit.

So nu genuch gered‘, fang mor mol ah.



Wos mor bauchn:

          Griene Ährbor [rohe Kartoffeln]
          Ährbormehl [Kartoffelmehl]
          Salz
          Kimml [Kümmel]
         Musgad [Muskatnuss]
          Eehl zum ahbruzln [Öl zum Anbraten]
          optional Zimt und Zucker
       optional >>Äbblmus<< [Apfelmus]


Nu zuerschd duhn mor dä Ährbor [Kartoffeln] schähln un dann missen se geriehm [gerieben] wern. Ob nu gruhß, glee, grub oder fein mussde selbor entscheidn. Ah ob de su ä neimodsches elekdrisches Ding nimmsd wie dos dor Jörg immer machd. Ich ha’s mid dor Hand geriehm. Aber bass uff, ni das de Finger noch bludsch wern!

Herzlichn Glickwunsch, nu hahste schu de greeßde Orb‘ [Arbeit] geschaffd. Nu duhste dos Ährbormehl [Kartoffelmehl] dorzu. Un risch‘ knedn musste nu, ‘s soll ä rischer Deeg [Teig] wern, der zamm babbt [zusammenklebt]. Wenns noch ni risch uff dor Reihe is, mussde noch bill Ährbormehl dorzu gähm [geben] oder de Händ‘ biss nass machen. Uff jeden Fall mussde weidor knedn, bis de dortmid zefriedn bisd.

Hasde dos ferdsch, duhste noch bill Salz, gemohln‘ Kimml [gemahlenen Kümmel] un Musgad [Muskat] nei.

Nu stellde n Dieschl [Pfanne] uffs Feier [Herd] midm rischn Schwabb Eehl [guter Schuss Öl] un machsd dos heeß [erhitzen] . Bass mir uff de Finger uff, ‘s kennt disch heeß sei!

Dorweiln duhn mor ausm Deeg Fratzn form‘, wie gruhß oder glee dos mussde selbor endscheidn.

Nu sei mor glei ferdsch,mir legn de Fratzn indn Dieschl un duhn se ahbruzln, aber wendn musste die ah, sodass die von alln Seidn bill schie‘ goldsch [goldfarben] sei. Bass‘ uff, ne das se schwarz wern, dos kah dorwagn fix gieh‘!

Ferdsch. 

Dorzu ass‘ mor nu bill Zimt un Zucker oder bill frischn >>Äbblmus<<. Jah, frischor haste risch gelesen, hier gibts nischt mit Plaste und Elaste, gieht ah ganz fluggs [schnell].






So liebe „Kochen für Doofe“-Leser, dass war mein Gastbeitrag. Es war mir eine Ehre für euch schreiben zu dürfen und dann auch noch ein traditionelles Rezept aus meiner Heimat. Ich hoffe es hat euch gefallen und ich konnte euch etwas erheitern.


Liebe Sachsen, verzeiht mir bitte die Fehler, über dem Schreiben ist mir erst aufgefallen wie sehr ich aus der Übung bin, mich in Mundart auszudrücken. Auch würde ich mich sehr freuen wenn ihr meinen >>Blog <<auf hochdeutsch mal besucht :)



Kommentare:

  1. Ahhhhhh, oh Nein, ich bin ja nicht gebürtige Sächsin, aber wohne dort, ist ja schon fast eine Beleidigung wie du geschrieben hast ;-)

    Meine Schwiegermutter macht Fratzen ja immer aus Kloßteig und ganz fein geriebener Zwiebel, also zumindest nennt sie das Fratzen.

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    1. das ist ein gastbeitrag von steffi walther, die den tollen kochblog kochglück betreibt. damit habe ich ausnahmsweise mal nichts zu tun. der blog ist auch verlinkt, wenn du mal anklicken möchtest. sie hat mir den beitrag zum geburtstag geschenkt. ich bin also nicht schuld, aber begeistert. schönen gruß jörg

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