Mittwoch, 22. Juli 2015

Nuggets aus Geflügel - ohne Schrott

Das ist mein Überraschungsrezept des Jahres! Chicken Nuggets hat sicherlich jeder schon mal gegessen und empfindet sie als das Original und als die Referenz. Ich hatte ein Kilo Putenbrust, die verarbeitet werden musste und damit meine Familie ein wenig Abwechslung auf dem Tisch hat, wollte ich so eine Perle der Lebensmittellügen, aus ordentlichen Zutaten nachbauen. Dabei habe ich ungeplant, ganz schön was gelernt, aber lest selbst. 

 


Zutaten:

1 Kilo Putenbrust
zwei Scheiben Toastbrot
Mehl 
8 Eier
Paniermehl
1 Topf Creme Fraiche
Milch
Salz
Pfeffer
Lauchzwiebel
1 Knoblauchknolle

statt wie beim Original:

Hähnchenbrustfleisch (46%), Trinkwasser, Weizenmehl, Maismehl, pflanzliche Öle: (Sonnenblume, Raps), Weizengrieß, modifizierte Stärke, Stärke (enthält Weizen), Speisesalz, Weizengluten, Aroma, Backtriebmittel: (Diphosphate, Natriumcarbonate, Calciumphosphate), Pfeffer, Zucker, Sellerie, Gewürzextrakte (enthält Sellerie), getrockneter Glukosesirup 

Bei der Zubereitung dieses Rezepts habe ich mich bei meinem Lieblingsblogger Lars Westerhausen inspirieren lassen. Ich habe die Nuggets sonst immer mit kleiner geschnittenen und geklopften Schnitzeln gemacht, aber nachdem ich seine Art Nuggets zu bereiten mal gesehen habe, ließ mich das nicht mehr los. Da ich jetzt einen etwas besseren Pürierstab habe, mit dem man auch mal eine Fleischfarce herstellen kann, wollte ich unbedingt mal ausprobieren, Nuggets aus richtig sauber zerschreddertem Fleisch zu machen. Der Unterschied zum Industrieprodukt ist hier, dass man eben nur eine einzige Putenbrust von einem Tier hat und dass nicht alle Tierreste mit Knorpeln, Haut und Karkassenrückständen durch den Wolf gejagt werden und dann auf wundersame Weise zu Nuggests gepresst werden. Meine Nuggets haben auch die doppelte Größe, wie in der Gastro.



1 Kilo Putenbrust.


Ich schneide die Brust zuerst in Scheiben


Die Scheiben werden dann in kleinere Würfel geschnitten.


Nun kommt der Multizerkleinerer meines Pürierstabes zum Einsatz. Wer eine Küchenmaschine hat, ist natürlich noch besser dran. Ich habe die Fleischmengen gedrittelt, weil das nicht auf einen Schlag zu einer Farce verarbeitet werden konnte.


Gerupftes Toast, geschnittene Lauchzwiebeln dazu geben.



Die Knoblaucknolle dritteln und dann ein Drittel pro Durchgang mitschreddern lassen.


Salz, Pfeffer zum Würzen nehmen und einen Schlag Creme Fraiche hinzufügen. Beim Würzen nicht schüchtern sein.


Damit das Zerkleinern der Maschine leichter Fällt, noch einen Schuss Milch in den Becher geben. 


Danach beherzt mit der Turbotaste zuschlagen und aus dem Inhalt eine Geflügelfarce machen. Das geht natürlich nicht nur mit Putenbrust, sondern auch mit Hähnchenbrust, oder von mir aus auch mit einem Stück Schwein, oder Rind.


So sieht die Farce aus, wenn man das komplette Kilo Putenbrust verarbeitet hat. Als extra Zutaten neben Fleisch, ist da ausser zwei Scheiben Toast ,der Creme fraiche, dem Knoblauch, den Lauchzwiebeln und einem Schuss Milch nicht viel dazu gekommen, trotzdem erscheint mir die Masse sehr viel zu sein. 


Bevor die Nuggets geformt werden, brauchen wir zum Panieren das drei Teller System aus einem Teller Mehl, einem Teller verquirltem Ei und einem Teller Paniermehl.



Ich habe mit einem Teelöffel die Fleischfarce aus der Schüssel geholt.



In Mehl wenden.


Mehl ein bisschen andrücken


Die Nuggets danach in dem verquirltem Ei wenden.



Wichtig ist, dass überall Ei hin kommt, damit die Panierung hinterher richtig hält


Dann ordentlich mit Paniermehl von allen Seiten bestreuen


Wenn man so tun möchte, als wenn man bei Mc Doof wäre, macht man die Nuggets nur halb so groß


Das geht gut von der Hand und der Stapel Nuggets wächst schnell heran. Ich habe mich nur irgendwann mal gewundert, warum die Masse in der Schüssel nicht so richtig weniger und die Nuggets immer mehr wurden.


Als die ganze Masse verarbeitet ist, habe ich aus einem Kilo Putenbrust so einen Stapel Nuggets gemacht. Ich schätze mal, es sind 30 Stück, doppelte Restaurantgröße und da setzte dann bei dir ein Denkprozess ein, was das für eine wundersame Gewinnmaximierung ist, aus einem Kilo Fleisch so eine Menge Nuggets zu machen. Und dann mal im Kopf behalten, dass ich hier mit Putenbrust und nicht mit Schlachtabfällen gearbeitet habe. Falls sich noch jemand fragt, wie in der Lebensmittelindustrie Geld gemacht wird, hier könnt Ihr es sehen.


Man kann die Nuggets in der Fritteuse frittieren, aber ich fand es irgendwie nobler die in Pflanzenöl auszubacken. 


In einer beschichteten Pfanne ordentlich Pflanzenöl einfüllen. Das Öl muss so hoch stehen, dass die Nuggets auf dem Ölfilm schwimmen und halb bedeckt sind. Der Grund ist, dass die Nuggets durch sein sollen, wenn sie nach jeweils drei Minuten pro Seite wieder aus der Pfanne kommen. So weit sind wir aber noch nicht. 


Mit dem Pfannenwender aus Holz ermittel ich die richtige Temperatur.


Wenn Blasen daran aufsteigen ist die Temperatur gut.


Nuggets drei Minuten pro Seite ausbacken. Ich habe den Herd von Vollgas auf Halbgas runter geregelt, damit die Panierung nicht so dunkel wird. 


Während die Unterseite der Nuggets in der Pfanne liegt, von oben mit dem Esslöffel mit dem heißen Fett begießen.


Wie gesagt, nach drei Minuten wenden.


Nach sechs Minuten mit dem Schaumlöffel aus dem Öl heben. Ich habe das extra für Euch angeschnitten, damit Ihr seht wie schön saftig das ist. Nicht vergessen, das ist im Prinzip sowas wie Formfleisch aus der Industrie, nur ohne die doofen Zusätze und aus guten Rohstoffen. Mich hat es echt fast von den Beinen gehauen, weil das so gut schmeckt und sich im Mund so gut anfühlt. 


Zu den Nuggets kann man stilecht Pommes frites essen, mir stand der Sinn aber eher nach einem frischen Salat.


Romana Salat


Frischen Rucola, Tomaten in Würfel schneiden. 


frische Kresse


Salz, Pfeffer und Zucker zum Würzen.


Mit ordentlich Olivenöl und Balsamico Essig begießen.


Schaut Ihr Euch mal eben den Berg Nuggets an, den ich aus einem Kilo Putenbrust gemacht habe?


Das ist echt eine wundersame Vermehrung, ich hätte nicht gedacht, dass sowas geht, wenn ich das nicht gerade selbst gemacht hätte.


Salat auf dem Teller anrichten. 


Nuggets auf dem Teller drapieren. Das ist wohl die gesündeste Form, sowas perverses zu essen. 


Schmeckt echt super, ist super knackig, kann einen Spritzer Limette vertragen.


Dazu passen auch Ketchup und Mayonnaise, gerne auch selbst gemacht, wie in meinem Blog. 


Das war wirklich ein Bewusstsein erweiterndes Erlebnis und wir haben hinterher noch stundenlang gesessen und uns immer wieder erzählt, was das für ein geiles Essen war. 


Das hat höchstwahrscheinlich bei ner Pappepackung Nuggets vom Mäckes noch nie einer gemacht.


Junkfood ohne Junk, Fastfood ohne Fast


Ich wünsche viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit.


Kommentare:

  1. Ich darf das Lieblings-Blogger Kompliment doch erwidern, oder? Das sieht fantastisch aus und ich kann es durch den Monitor riechen. Aber bewusstseinserweiternd? Mann, du sollst das Zeug doch nicht rauchen!
    Aber Spaß beiseite, am Ende kann nur der Geschmack rauskommen, den man da reinsteckt un des ist doch klar, das Pute + Gewürze nach mehr schmeckt, als Pute ohne alles. Und die Konsistenz ist natürlich auch samtiger. Das ist dir prächtig gelungen.

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    1. ich frage mich nur, warum man das nicht immer aus solchen ordentlichen zutaten und mit liebe machen kann? ich habe nicht nachgewogen, aber es kommt mir vor, als wenn da aus einem kilo fleisch locker 3 kilo nuggets geworden wären. überlege dir das mal, kilo pute 6 euro, 60 nuggets = 50 Euro. muss man da immer noch rumtricksen?

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    2. Gerade bei den Kampfpreisen zählt bei Gewinnmargen jede Kommastelle. Da ist jeder Liter Wasser in der Masse ein Gewinnplus. Außerdem geht es um Haltbarkeit und möglichst gleichbleibendes Aussehen. Würdest du deine selbstgemachten Nuggets ungegart bis November 2017 lagern? Das wird seinen Grund haben, weil viele kommerzielle Fastfoodprodukte schimmelresistent sind.

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    3. gegenfrage, welchen grund sollte ich haben, meine lebensmittel bis november 2017 haltbar zu machen, wenn sie jeden tag verkauft und produziert werden.

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  2. Hallo jetzt muss ich mich aber mal melden, sonst lese ich immer ganz still und heimlich mit ;-)
    Nein heiraten will ich dich jetzt nicht, es würde mir reichen, wenn mein Mann auch so kochen würde wie du, nur noch etwas "gesünder". Deine Kinder sind zu beneiden!

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    1. was? nicht heiraten? wie bist du denn drauf ;-) ??. hallo s.l. schön dass du dich mal zu wort meldest. noch gesünder ist ne bombenforderung. an was hast du denn so gedacht, damit ich doch noch ein heiratskandidat werde? das hat mich jetzt echt in meiner ehre verletzt... ich werde das an meine kinder weiter geben, wenn sie mal wieder nicht das selbst gefertigte essen haben wollen. schönen gruß jörg

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    2. :-D Nein, meine Gunst kannst du wohl trotzdem nicht mehr gewinnen, natürlich war es nur als Lob gemeint ;-)

      Du kochst mit frischen Zutaten ohne E's und sonstigen Dreck (wie du immer so schön sagst), das allein ist ja wohl schonmal großes Kino, ich will garnicht wissen wieviel Kinder nackige Nudeln vorgesetzt bekommen.

      Mit Gesünder ist eher "Bewusster" gemeint, es kommt natürlich auch nochmal auf die Ansprüche an die man hat.
      Seit letztem Jahr habe ich kein Weizenmehl und keinen weissen Zucker mehr im Haus, verwende dafür meistens Dinkelmehl oder Vollrohrzucker, also in Richtung Vollwert-Kost. Außerdem gibt es fast kein Schweinefleisch mehr bei uns und ich versuche weniger Fleisch und Milchprodukte zu verwenden. Ja zugegeben, letzteres klappt nicht immer...
      LG, Sharon

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    3. hallo sharon, es gibt nur wenig leute, die ich weniger auf meinem blog erwartet hätte und deswegen erfreut es mich umso mehr. mein einziger anspruch ist in der tat frische. kein weisses mehl, oder kein zucker kommt darin gegenwärtig als maßgabe nicht vor, weil ich den ansatz habe, so zu kochen, wie schon immer gekocht wurde, bevor viele damit aufgehört haben. du hast aber natürlich total recht damit, wenn du deswegen besser lebst. wenn mir irgendwas fehlen würde, was ich über die ernährung ausgleichen könnte, würde ich das auch so machen, wie du. ich sehe mich nach fast 600 rezepten noch eher am anfang meines schaffens und kochen ist einem stetigen wandel unterzogen. irgendwann wird man dann sagen, boah schau dir mal an, was ich 2014 oder 2015 noch für nen scheiß gekocht habe. ich finde es jedenfalls toll, dass du dich trotz deiner jungen jahre schon so dafür interessierst. schön, dass du den weg in meinen blog gefunden hast und ich freue mich immer von dir zu lesen, auch gerne, wenn du anderer meinung bist. schönen gruß jörg

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