Mittwoch, 8. Juli 2015

Hackfleisch selbst machen statt Gen Bukkake

Ich verwette meinen begehrten Arsch darauf, dass mich viele Leute für übertrieben halten, was meine Ansichten zu Lebensmitteln betrifft. Wenn dem so sein sollte, dann nur auf ganz niedrigem Niveau, denn ich kaufe das gleiche ein, was jeder andere auch kauft, nur eben nicht als Fertig- oder Halbfertigprodukt. Kein Bio, keine Goldkante, keine besondere Herkunft, oder so. Ich versuche nur da, wo es geht, auf die ganzen Dummheiten zu verzichten, wenn mir mein gesunder Menschenverstand sagt, dass ich irgendwas ohne großen Aufwand besser machen kann. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, Hackfleisch selbst zu machen, nachdem ich letztens gelesen habe, dass bei Lidl im Rinderhack genetisch die DNA von sechzig verschiedenen Tieren, in einem 500 Gramm Paket nachgewiesen wurde. 


Ich finde nicht, dass es nur ein romantischer Gedanke ist, dass man so ein Paket Hackfleisch, nur aus einem Stück, von einem Tier erwarten darf. Jetzt kann natürlich wieder einer daher kommen und mir als Kundem die Schuld geben, weil ich nicht genug ausgeben will. Das Argument widerlege ich auf der Stelle. Bei Lidl, oder Kaufland kostet ein Kilo Rinderhack um die 5 Euro. Ich habe bei Metro ein Zungenstück vom Rind gekauft, das kostet netto unter 4 Euro das Kilo und mit Mehrwertsteuer bin ich da immer noch unter 5 Euro, habe aber ein komplettes Stück Fleisch, von nur einem Tier, in der Hand.


Ich habe mich von einem sehr netten jungen Mann bei Metro beraten lassen, was ich denn zu Hackfleisch verarbeiten könnte und er hat mir zum Zungenstück geraten. Da habe ich erst einmal gezuckt, weil ich dachte, oh Zunge, da diskutierst Du gleich wieder mit Deiner Frau und da wird sie richtig lange Zähne machen. Der hat mich dann spontan ausgelacht und gesagt, Zungenstück hat mit Zunge nichts zu tun, sondern ist beim Rind das, was beim Schwein der Schweinenacken ist, also quasi das günstigste Fleisch des Tieres, das man sowohl in der Pfanne braten, als auch schmoren kann. Alleine das ist vom Ausgangsprodukt schon besser als das, was man normal im Handel als Hackfleisch bekommt.


Hier habe ich das Fleisch ausgepackt. 2,7 Kilo, weil ich noch ein bisschen mehr damit geplant habe, um mein neues Wissen unters Volk zu bringen.


Ich habe es nicht abgewogen, aber es wird ca 1 Kilo gewesen sein, was ich davon abgeschnitten habe.


Das Fleisch in grobe Würfel schneiden.


Und hier kommt nun mein neues Schätzchen. Das habe ich bei meiner Mutter auf dem letzten Heimatbesuch erbeutet. Einen Fleischwolf, den meine Großmutter 1962 zur Silberhochzeit bekommen hat. So ein richtig schwerer Trümmer vom Alexanderwerk. Wer so einen Schatz nicht hat, kann natürlich auch eine Küchenmaschine mit einem Schneidewerk nehmen und so das Fleisch von Würfeln zu Hackfleisch verarbeiten.


Fleisch oben hinein stopfen


Anfangen an der Handkurbel zu drehen.


Ich habe meine Frau gebeten, diesen denkwürdigen Moment festzuhalten, sonst seht Ihr mich ja eigentlich nie bei der Arbeit.


Bei fast dreißig Grad Temperatur, war das eine spannende Tätigkeit und besonders toll ist natürlich, wenn man dann die Ergebnisse seiner Arbeit, so schnell sehen kann. 


Das Fleisch sieht vollkommen anders aus, als industrielles Hackfleisch, es ist richtig schön rot und nicht so blass. Es ist in sich kompakter und ohne vorgreifen zu wollen, das ist so toll von der Struktur, dass man Rinderhack auch medium braten kann und ein unglaubliches Mundgefühl bekommt. Aktuell habe ich gerade noch eine Bolognese auf dem Herd stehen, die riecht deutlich weniger nach Leiche, wenn man sie mit selbst gewolftem Fleisch zubereitet. Auf das Rezept könnt Ihr Euch schon freuen, weil so gut war sie noch nie. Das rieche ich, ohne sie probiert zu haben.


Lasst Euch das noch mal auf der Zunge zergehen, das Fleisch von sechzig verschiedenen Rindern, in einer Packung Hackfleisch! Das kann man echt nur so lange essen, wie man es nicht weiß. Ich musste spontan an so eine klassische Bukkake Pornosituation denken, in der ein paar dutzend Männer, in eine Glasschale ejakulieren und am Ende bekommt das eine ohnehin schon recht zugekleisterte Dame, in einem Kelch auf Ex zu trinken. Da schüttelt es die meisten Menschen, vor allem wohl Frauen, irgendwie schon, aber wenn man Fleischfetzen von 60 verschiedenen Rindern in einer Pfanne brät, das ist normal?  Ich muss nicht extra erwähnen, was ich weniger ausgefallen finde, oder?


Und, Bilder schon wieder aus dem Kopf ? ;-) Alles wird gut! Hier ist selbst gewolftes Rinderhack. Die reine Lehre und in Zukunft werde ich das auch nur noch so machen. Ich verblogge gerade noch ein paar Hamburger, die ich daraus gebraten habe. Danach will man auch die nicht mehr anders essen.


Ich wünsche viel Spaß beim Nachwolfen und wünsche einen guten Appetit


Kommentare:

  1. Ich war nie ein Freund von Discounter Fleisch. Schon gar nicht von "unter Schutzatmosphäre" eingeschweißten Zeugs. Qualität sieht für mich anders aus und das merkt man sowohl am Geschmack als auch am Bratverhalten. Gerade bei Fleisch ist Geiz alles andere als geil und ein Rindersteak von der Stange für 19,95 das Kilo kann niemals soviel wie ein vom Fachmann prodzuiertes und gut abgehangenes Stück vom Weiderind für 60 Euro (und mehr) das Kilo.

    Trotzdem wundert, beziehungsweise stört mich eines, da hat man also die DNA von 60 verschiedenen Tieren in einer Hackfleischpackung gefunden? Diese bösen Disounter! Wir wollen jetzt gar nicht mal mit normaler Wurst oder Würstchen anfangen, lass uns doch mal stattdessen eine hochpreisige und mehrfach preisgekrönte Edelsalami eines italienischen oder ungarischen Topherstellers untersuchen. Da ist ja gerade die Kunst, verschiedene Fleischteile so zu kombinieren, dass geschmacklich ein Spitzenproduckt herauskommt. DNA Vielfalt ist hier demnach ein unverzichtbares Qualitätsmerkmal und nichts ansatzweise Schändliches.

    Oder Milch: wer glaubt denn allen Ernstes, dass in einem Literpack nur Milch von einer Kuh ist? Im Gegenteil - und das ist der Normalfall. Genau wie bei Butter oder Joghurt. Ja selbst in veganer, glutenfreier Bio-Sojamilch sind DNA Bestandteile verschiedener Lebenwesen (=Pflanzen) vereint.

    Wer regt sich denn darüber auf, dass in jedem Krabbencocktail die DNA mehrerer Tiere zu finden ist? Oder Tee, Kaffee, Zigaretten, Schokolade - in jeder Packung eine Vielfalt von DNA. Selbst in einer Dose Erbsen ...

    Versteh mich nicht falsch, der Sache nach bin ich 120%ig bei dir und es ist schon wichtig, sich nicht von der Industrie abhängig machen zu lassen und jeden Dreck zu kaufen, nur weil er billig ist. Aber dieses DNA Argument ist meines Erachtens eine Chimäre. Da gibt es drei Millionen andere Gründe, die gegen Massenproduktion (nicht nur) bei Fleisch sprechen und auch die Metro Schlachter haben vorher sicherlich nicht mit dem Tier gekuschelt.

    Ach so, Glückwunsch übrigens zum Wolf. So einen hätte ich auch haben können, der hat bloß die Jahrzehnte auf dem Dachboden in keinem lebensmittel-hygienisch vertretbaren Zustand überstanden.

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  2. mein fleischwolf lag trocken im keller meiner eltern. da war alles o.k. ich habe mir darüber nie gedanken gemacht. bei milch ist mir das klar, weil mein onkel einen bauernhof hat und ich die milchwanne seit kindertagen kenne. beim fleisch war mir das nicht klar und da hat es mich ehrlich gesagt ein wenig verstört. ich kaufe auch kein gemischtes hackfleisch, weil mir die idee suspekt ist, ein rind mit einem schwein zu kombinieren. auswärts werden sie mir das garantiert überall unterjubeln, aber zuhause mache ich es bewusst nicht so. über krabbencocktail rege ich mich sowieso nicht auf, weil ich nix aus dem wasser esse. da können die von mir aus auch altreifen, oder sonstwas verarbeiten, weil ich das von haus aus ekelig finde, egal wie. ich halt mich da immer gerne an mein lebensmotto "man sieht nur was man kennt". wenn einem nicht klar ist, dass irgendwas scheiße ist, dann kann man auch nichts daran ändern. deswegen lernt man im leben nie aus.

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  3. Habe dieses Jahr auch zum ersten Mal Burger aus selbstgewolftem Fleisch gemacht (US Beef Nacken aus der Metro). Das war sowas von geil ! Und viel Arbeit ist es auch nicht. Nie wieder anders.

    Fleisch aus dem Discounter habe ich seit diesem Jahr verbannt und esse generell weniger davon.
    Qualität statt Quantität.

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    1. hallo anonym, ich habe die burger schon fertig verbloggt, aber noch nicht gepostet. kommt in den nächsten tagen. das ist wirklich kein vergleich zum gekauften hackfleisch. das dumme ist halt, man weiß es nicht, wenn man es noch nie probiert hat. deswegen immer laut reklame dafür machen. schönen dank für deinen kommentar und bis demnächst. gruß jörg

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  4. Schöner Artikel, ich gebe Dir mit der Supermarktware recht. Aber bei uns gehe ich zum Metzger, gucke mir ein schönes Stück Fleisch aus und sage zu ihm: Mach da mal Hackfleisch draus und hau noch ein Stückchen grünen Speck dazu.
    Ich wurde noch nie enttäuscht 😊

    Gerald

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    1. das ist ja auch etwas ganz anderes, als wenn man das abgepackt kauft. das kann man natürlich machen

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  5. Hi
    Ich habe schon lange einen Fleischwolf...aber erst 1× benutzt weil ich nie wusste welches Stück Fleisch ich hierfür verwenden könnte...auch Rindernacken habe ich noch nie gesehen...aber jetzt frage ich mal gezielt danach.
    Achja die besagte Doku habe ich auch gesehen und fand das mit der DNA sehr befremdlich...nur irgendwie geht das doch wieder im Alltag unter.
    Danke für's Erinnern ��
    Herzlichst
    Nicole von meine Herzküche

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    1. hallo nicole, ich bin ja bislang nicht tot umgefallen, trotz jahrzehntelangem hackfleischkonsum. das ist eine reine kopfsache, sich in dem moment zu sagen, dass man es selbst einfach besser machen kann, ohne dass es mehr kostet.

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  6. Hi
    Ich habe schon lange einen Fleischwolf...aber erst 1× benutzt weil ich nie wusste welches Stück Fleisch ich hierfür verwenden könnte...auch Rindernacken habe ich noch nie gesehen...aber jetzt frage ich mal gezielt danach.
    Achja die besagte Doku habe ich auch gesehen und fand das mit der DNA sehr befremdlich...nur irgendwie geht das doch wieder im Alltag unter.
    Danke für's Erinnern ��
    Herzlichst
    Nicole von meine Herzküche

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