Montag, 12. Januar 2015

Köttbullar - schwedische Hackbälle vom Rind, ohne Pferd

Was ist klein und rund und es hat sich ein Pferd aus Rumänien darin versteckt? Genau, Hackfleischprodukte aus der Tiefkühlung, deklariert als Rindfleisch, oder gemischtes Hackfleisch, gerne auch in Form von Lasagne, oder Köttbullar, diesen legendären Fleischbällen aus dem großen schwedischen Möbelhaus, mit Briefkasten in einem Niedrigsteuerparadies. Wer erinnert sich nicht noch gerne an den Pferdefleischskandal von 2013 zurück, als die ganzen Conveniencefritzen, ein Pferd auf dem Flur stehen hatten? Ich feier immer noch, weil ich auf die ganze Fertigpappe sowieso keine Lust habe und weil das so ein Klassiker von Gewinnmaximierung, auf vermeintlich niedrigem Preisniveau ist.  


Zutaten für 2 Personen:

500 Gramm Rinderhack
1 Zwiebel
1 Ei
Paniermehl
100 Gramm Champignons
Salz
Pfeffer
Schnittlauch
Wacholderbeeren
Lorbeerblätter
700 Milliliter Brühe selbst gemacht, oder Rotze aus dem Glas (päh!)
Preisselbeeren

Wo wir gerade so schön am Bashen sind. Ist Euch schon mal aufgefallen, dass in besagtem Möbelhaus, ohne das hier 99 % aller Köttbullarkenner, von diesem Gericht noch nie irgendwas gehört hätten, die Portionen immer kleiner und dafür immer teurer werden? 

Verteilen das bei Euch echte Firmenmitarbeiter, oder so wie in Berlin, nur irgendwelche Niedriglohnknechte einer Fremdfirma? Das finde ich echt krass, dass so ne Bude mit Milliardenumsätzen, die immer voll auf dufte und sozial macht und alle sind wir Freunde und per Du, den sowieso schon beschissenen Einzelhandelstarif damit unterläuft, dass sie in der Gastro und im Facilitymanagement, irgendwelche Leihbuden die Leute stellen lässt, um die nach noch schlechteren Tarifen für Gastro und Gebäudereinigung zu bezahlen. Ich mag deren Möbel, aber dieses Auspressen von Mitarbeitern und Umgehen von Tarifen, stößt mir immer mehr auf, je länger ich mir das anschaue. Dazu kommen die ollen Köttbullar aus der gleichen Gefriertüte, wie die aus der ambulanten Köttbullartruhe, zum Mitnehmen nach Hause und das hat mit Restaurant und kochen mal überhaupt nichts zu tun, sondern das ist reines Anwärmen und Schimpansenküche, damit sie einem dann auch noch ungefragt einen vom Pferd erzählen, bzw. unterjubeln. 


Deswegen hier und jetzt der persönliche Mehrwert durch eigene Herstellung, ohne Netz und doppelten Boden!

Rinderhack! Damit es sich im Mund noch besser anfühlt, will ich es noch zerkleinern. Einen Fleischwolf habe ich nicht und ich denke, viele von Euch werden dass auch nicht haben. Wer einen hat, nimmt seinen Fleischwolf, alle anderen machen es so wie ich und benutzen einen Pürierstab. Damit geht es aber am besten, wenn man kein breites, sondern, eher ein hohes Gefäß hat. Deswegen nehme ich zum Hackfleisch pürieren einen Messbecher, bzw. ein Litermaß. 


Ein Ei aufschlagen.


Rinderhack zum Ei in das Litermaß geben und mit dem Pürierstab ordentlich durchmischen.  Mit Salz und Pfeffer würzen. 


Ich habe das schon mal vor ewigen Jahren, mit getrockneten Pilzen für die Füllung der Hackbälle / Köttbullar gemacht, aber hier ging es jetzt darum meine Kinder zu beschubsen, denn freiwillig essen die keine Pilze. Deswegen habe ich gewartet, bis die Rasselbande in die Badewanne verschwunden war und habe die Champignons einfach püriert und dann unter das Rinderhack gemischt. Schmeckt hinterher auch grandios nach Pilzen, aber man sieht sie nicht. Wenn es das ist, was die Gören brauchen, dann sollen sie es halt so haben ;-)


Champignons auch in das Litermaß geben und mit dem Pürierstab pürieren.


Schredder!


Champignonpüree und die zerkleinerte Zwiebel zum Rinderhack geben. Den einen Pilzstiel den man auf dem Foto noch sieht, habe ich noch rausgefischt und bin damit auch nicht bei meinen Kinder aufgeflogen.


Paniermehl, damit die Köttbullar zart werden und eine gute Bindung haben.


Hackfleisch mit der Hand verkneten. 


Kleine Hackmengen von der großen Kugel abnehmen und mit den Handinnenflächen kleine Fleischbälle formen. 


Ich stand dann vor der Wahl, ob ich die Hackbälle in Brühe ziehen lasse, oder ob ich sie vorher anbrate. Ich dachte mir, dass ein paar Röstaromen nicht schaden können und habe die Köttbullar deswegen in der Pfanne angebraten. Ich habe das Pflanzenöl bei Vollgas erhitzt und als die Temperatur hoch war auf mittlere Hitze runter geregelt, damit die Köttbullar nicht zu trocken werden. 



Wenden im zwei Minuten Takt


Und darauf achten, dass die noch nicht durchbraten, denn sonst wird es auch wieder trocken. Nach 5-6 Minuten mit der Brühe aufgießen, damit sich der Bratensatz von der Pfanne löst. Der gibt später auch einen guten Geschmack. 


Nachdem ich die Köttbullar mit der Brühe aufgekippt habe, lasse ich sie in einen Topf umziehen, denn in der Pfanne, würden wir die so kaputt braten, ich erkläre Euch gleich auch warum. 


Wenn das Fleisch in Flüssigkeit gegart wird, zieht die dünne Flüssigkeit die Feuchtigkeit aus dem Fleisch. Das bedeutet, obwohl die Köttbullar in Flüssigkeit liegen, werden sie ausgelaugt, wenn die Flüssigkeit zu dünn ist. Das gleiche gilt für den Geschmack. Wenn die Brühe nach nichts schmeckt, zieht sie den Geschmack auch aus den Fleischbällen. Deswegen muss die Brühe erstens nach etwas schmecken, damit die Hackbälle hinterher nicht so laff werden, dass man auch am Daumen lutschen könnte UND die Brühe muss angedickt werden, damit die Köttbullar nicht trocken werden. 


Wie es sich für ein ansatzweises Schmorgericht gehört, ein wenig Lorbeerblätter und Wacholderbeeren dazu geben und nun machen wir uns an das Andicken der Soße. 


Einen gehäuften Esslöffel Speisestärke in Wasser auflösen und Löffel für Löffel in die Flüssigkeit einrühren, dann kurz aufkochen, damit die Soße anziehen kann.  


Dann den Deckel auf den Topf legen und auf kleinste Flamme runter drehen. So kann man die Hackbälle ca eine halbe Stunde vor sich hin köcheln lassen. Nach oben sind keine Grenzen, aber Ihr wollte ja immer alle nicht lange warten und eigentlich sollte es schon vor einer Stunde fertig sein, oder? Deckel auf dem Topf ist auch wichtig, damit sie schön saftig bleiben.


Für Anflüge von Frische, verordne ich dem Gericht noch ein paar frische Lauchzwiebeln


Hier ist es schon sehr gut eingekocht und fast fertig zum Servieren. 


Hier ist noch ein kleiner Lacher am Rande. Meine ganze Sippe ist im Moment erkältet und der kleinste ist noch nicht alt genug für ein Erkältungsbad. Den hatte ich dann bei mir in der Küche geerbt, während der Rest der Truppe in der Wanne versuchte, die Erkältung zu bekämpfen. Der meckerte die ganze Zeit wild rum, während ich kochte, bis ich dann gar nichts mehr von Ihm gehört habe. Da dachte ich mir so, wenn man von seinen Kindern nix mehr hört, ist es meistens gefährlich. Schaue doch mal nach...  was soll ich Euch sagen? Seht selbst!


Unter dem Esstisch eingeschlafen! Als echte Rabeneltern, haben wir Ihn da auch schlafen lassen, bis selbst die Mutter mal wieder Ihren eigenen Teller in Ruhe leer gegessen hatte. Die beiden "großen" Schwestern haben sich auch ziemlich darüber amüsiert.


Zeit zum Servieren.Kartoffeln auf den Teller legen


Einen Soßenspiegel auf dem Teller ausbringen


Hackbälle mit dem Schaumlöffel dazu legen, damit der Teller nicht wie ein Autounfall aussieht und dann zum Schluß noch stilecht einen Schlag Preisselbeeren.


Das ist dann wieder so ein legendärer Abend, an dem niemand etwas zu meckern hat und an dem sich alle freuen, dass man sowas selbst machen kann und dass es noch viel besser schmeckt als das, was sich einem immer als das Original vorstellt.


Super leckerer Geschmack, frisch gekochte Kartoffeln, oder frisches Püree dazu servieren, dann ist das ein Weltklasse Familienessen, aber sicherlich auch gut geeignet für junge und junggebliebenes Akademikerklientel, bierseelige Kumpel am Spieleabend, Prosecco saufende Rassestuten beim Vorglühen, oder die anonymen Pferdefleischverweigerer. 


Kochst Du schon, oder wärmst Du noch auf?


Ich wünsche viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit.


Kommentare:

  1. Was schriebst du gerade bei mir? Man kann durch den Bildschirm sehen, wie lecker das schmeckt. Kompliment, Herr Kollege, das sieht groß aus. Köttbullar hatte ich übrigens auch schon mal, nur bin ich den anderen Weg gegangen und habe sie erst geschmort und dann noch einmal angebraten. Meine warfen auch ohne Pferd, obwohl man in Schwedenund Finnland gerne auch mal Rentier (Rudolph!!) oder Elch nimmt.:p

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  2. hallo lars, das war auch extrem lecker. die kinder sind total ausgeflippt, auch gestern abend noch einmal nach dem resteessen. ich habe ihnen bislang auch noch nicht gesagt, dass das pilze drin waren ;-). das ist auf jeden fall toll, wenn ein gericht für soviel freude sorgt. da weiß man dann wieder wofür man sich die ganze mühe macht und nicht auf den tütendreck zurück greift.

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