Freitag, 1. August 2014

Letscho - Zigeunersoße Ost

Letscho? Das hatte ich noch nie gehört, als mir mein mittlerweile alter Freund, gebürtig in Quedlinburg, erzählte, dass es in der Zone immer Letscho als Soße gab. Das ist natürlich fast zwanzig Jahre her und mittlerweile bin ich ein großer Freund dieses ostzonalen Zigeunersoßenpendants. Das trifft es aber auch nicht so richtig, denn Letscho ist deutlich fruchtiger, deutlich weniger degeneriert und deutlich weniger zuckerhaltig, als das Produkt beim Klassenfeind. Die Richtung ist so ähnlich, aber in der Durchführung deutlich weniger chemisch als das, was man im Westen unter Zigeunersoße kennt. 



Zutaten 

Paprika
Knoblauch
Zwiebeln
Tomaten
Peperoni
Salz
Pfeffer
Zucker
Essig
Öl
Lorbeerblatt
Wacholderbeeren
Limette, oder Zitrone

Letscho kommt, wie der Name schon sagt, eher aus dem Osten, oder Südosten, quasi alles was hinter der Tschechoslowakischen Volksrepublik liegt, namentlich habe ich Ungarn als Ausgangspunkt ausgemacht. Besonders gut klingt Letscho natürlich, wenn es ein Sachse ausspricht ;-)


Letschöööööö ist auch ein Grundbestandteil der beliebten Soljanka, die ich aber vor dem Herbst nicht kochen werde, weil das nach Glatzkochscher Lesart ein Herbst und Wintergericht ist und im Sommer, ist Letscho als Soßenbegleitung der Kracher zum Grillen, oder zu Fleischgerichten aller Art. Mein letzter Besuch hat sich gleich meine Letscho Reste gesichert und sie am nächsten Tag zu Fisch gegessen, was mir natürlich total wesensfremd ist. Ich habe das letztens schon mal erwähnt, dass ich meinen Ostfreunden gerne mal Aufgaben stelle, was den Knoblauchgehalt und die Schärfe, meines Essens betrifft. Auf der anderen Seite überrasche ich sie aber auch gerne mal damit, dass ich irgendwas koche, was sie ganz klar der DDR zurechnen und entweder 25 Jahre nicht hatten, oder es nicht von einem aus dem Westen erwarten würden, wenn sie zum Essen eingeladen sind. Völkerverständigung am gedeckten Tisch beim Glatzkoch. Dazu trinken wir gerne auch noch ein Bier eines Brudervolkes.


Die Zubereitung ist nicht schwer, man muss halt eine Menge schnippeln und ein Gefühl für die geschmackliche Abstimmung haben. Unterm Strich ist es so ähnlich, wie ein Ketchup mit weniger Süße, nicht so stark eingekocht und total lecker.


Die Paprikastücke werden zuerst, mit Olivenöl im Topf geschmort


Wenn die Paprika langsam weich wird, die Zwiebeln und den Knoblauch dazu geben. 


Peperoni hinzu geben und mit Salz, Pfeffer und Zucker würzen


Auf mittlere Temperatur runtergehen, damit es nur Röstaromen, aber keine verbrannten Bestandteile gibt.


Den Saft einer Limette ausdrücken und auch ins Letscho geben.


Tomaten in den Topf geben, wenn die anderen Zutaten glasig gebraten sind.


Nun noch Lorbeerblätter und Wacholderbeeren ins Letscho geben. Das rundet den Geschmack ab.


Die Köstlichkeit muss dann noch eine Stunde einkochen und lässt sich gut vorbeiten bzw. wieder aufwärmen. Wie gewöhnlich, hat man es selbst in der Hand, ob das Letscho eher pikant, säuerlich, oder süßlich gewünscht wird. Ich mag es eher säuerlich und scharf.


Dazu habe ich dann panierte Schnitzel mit Ofenkartoffeln und selbstgemachtem Kräuterquark serviert. 


Da läuft mir beim Schreiben, schon wieder das Wasser im Munde zusammen. 


Ich brauche JETZT dringend ein Schnitzel mit Letscho.


Also hier noch einmal mein Tipp, Finger weg von Soßen aus der Flasche, ran an den Herd und Letscho machen.


Viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit


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