Samstag, 21. Juni 2014

Peperoni statt Tabasco


Wenn man sein Herz für die Schärfe erst einmal entdeckt hat, dann fangen wir wohl alle so an wie beim Alkohol trinken. Die ersten Kopfschmerzen macht man sich mit Asti, pappsüßem Wein und anderem kruden Zeug, von dem man Zuckerwürfel pinkeln kann, bevor man sich über die Jahre, zu den staubtrockenen Gewächsen durch trinkt. Mit Schärfe geht es genau so. 


Zutaten

Peperoni, Schärfegrad nach Wunsch
Salz
Öl

Wer hat früher in Deutschland scharf gegessen? Die in der Zone nicht, denen bringe ich bis heute die Ohren zum Qualmen, wenn es bei uns für Gäste mal Chili gibt ;-), die auf dem Land nicht, vielleicht noch die Flüchtlinge, nach dem zweiten Weltkrieg, die ziemlich weit aus dem Osten und Südosten kamen, aber sowas, was wir heute als Schärfe, in zilliarden Scoville (Schärfegradeinheit) messen, das kannte man früher überhaupt nicht. Da war eine Curry Wurst schon scharf. Es wurde gejammert, wenn irgendwo mal richtig Pfeffer drin war. Von den Zuwanderern, die dann in den letzten fünfzig Jahren nach Deutschland gekommen sind, kenne ich die extreme Schärfe auch nicht. Das scheinen wir uns irgendwie erreist zu haben, in Asien, oder in Mittel- und Südamerika, dass es heute absolut trendy ist, seine Atemluft auch mal mit dem Feuerzeug entzünden zu können.


Die ersten Anflüge von Schärfe, an die ich mich bewusst erinnere, waren Ende der achtziger Jahre, wenn man sich beim Dönermann frische Peperoni ins Lahmacun schneiden lassen hat und einem dabei fast die Geschmacksnerven weggeflogen sind. Das ganze bei einem Schärfegrad, bei dem man heute wohl nicht einmal mehr zucken würde. Der Körper hat die Angewohnheit, sich an Schärfe zu gewöhnen und was heute noch eine Herausforderung für einen ist, ist ein paar Selbstversuche später nur noch ein sanftes Kribbeln.


Damals fanden wir uns noch beinahe todesmutig bis frivol, wenn man irgendwas mit Tabasco gewürzt hat. Wenn am Daumen lutschen 0 Scoville Schärfegrad hat, dann liegt Tabasco zwischen 2500 bis 5000 Scoville, sprich man bräuchte zwischen 2,5 und 5 Liter Wasser, um die Schärfe zu neutralisieren, wenn man einen Tropfen Schärfe ins Wasser geben würde. Das ist eine angenehme Form von Schärfe, die einfach lecker ist und nicht weh tut und den eigentlichen Geschmack des Essens nicht überdeckt. Was mir an Tabasco aber nicht gefällt, ist die Tatsache, dass man da immer noch zusätzliche Chemie und Stoffe zum haltbar machen und für den Geschmack hinzu fügt, die ich in meinem Essen nicht haben möchte. Deswegen bin ich dazu übergegangen, mir meine Schärfe selbst zu basteln. 


Das ist genau so einfach wie es aussieht. Peperoni zerkleinern, ordentlich Salz ins Glas und mit Öl auffüllen. Man kann sich beim Kauf der Peperoni schon dafür entscheiden, wie scharf es am Ende werden soll. Das ist so dermaßen konservierend, dass es auch ohne Kühlung ewig und drei Tage hält. Der große Vorteil, bei so einer individuellen Schärfe Beigabe, die man auch erst am Tisch, auf dem Teller machen kann ist, dass es jeder so scharf bekommt, wie er/sie es jeweils mag. Man kann sein Gericht also kompatibel für alle Anwesenden kochen und das Feintuning, macht sich dann jeder selbst.


Viele Menschen fragen sich sicherlich, wieso sollte ich mein Essen scharf essen? Abgesehen von der Tatsache, dass es gut schmeckt, hat es auch eine reinigende Wirkung für den Körper. Man kann damit Erkältungen vorbeugen und auch kurieren, es regt die Verdauung an und es kommt nicht von ungefähr, dass vor allem in Ländern, mit vergleichsweise niedrigen Standards immer deutlich schärfer gegessen wird, als in unseren Breiten, weil es gleichzeitig die Abwehrkräfte gegen Tod und Teufel erhöht. Alles was man über seine Nahrung für den Körper tun kann, muss man hinterher nicht in Tablettenform zu sich nehmen. Wieder was gespart!


Auf dem Foto sieht man einen Ölansatz, den ich bestimmt mal vor einem Jahr, oder noch länger angesetzt habe. Die Peperoni zersetzen sich darin langsam und das Öl wird mit jedem Tag aromatischer. Da entsteht aber kein Schimmel oder irgendwas unappetitliches, weil der gegen die Schärfe überhaupt keine Chance hat. Das ist der Killer auf jeder Pizza, oder auch zu Nudeln, oder überall wo Schärfe gefragt ist. Höchstwahrscheinlich hilft es auch gegen Rückenschmerzen und Zerrungen, wenn man es auf die Stelle reibt, an der es weh tut. Gutes Stichwort, ich werde das mal auf meine rechte Daumenkapsel und auf das Handgelenk machen und Euch berichten, wie es war. Da quält es mich nämlich gerade ziemlich. 


Macht Euch mal die Freude und kauft Euch ein paar frische Peperoni, wenn Ihr die nicht schon selbst im Garten habt und macht Euch so einen Ansatz auf Öl und Salzbasis. Ihr werdet es lieben und wieder ein Fertigprodukt aus dem Kühlschrank verbannen. Gutes Gelingen und einen höllisch guten Geschmack von dieser Stelle.


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